single-exhibition.php

Ich sehe

faws-content-single-exhibition-connected-list-one-entry.php

Shifting Patterns

Bildhauerinnen aus der Türkei in Deutschland *1932–86

30. 10. – 30. 12. 2020

faws-content-single-exhibition-connected-list-one-entry.php

Spree-Cuts

Portrait einer Stadtflusslandschaft

11. 9. – 17. 10. 2020

faws-content-single-exhibition-connected-list-one-entry.php

underneath

11. 9. – 17. 10. 2020

faws-content-single-exhibition-connected-list-one-entry.php

Ich sehe

20. 3. – 4. 7. 2020

faws-content-single-exhibition-detail.php

20. 3. – 4. 7. 2020

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse, Foto: Christine Frenzl

Käthe Kruse | Foto: Christine Frenzl

Künstler*innen: Käthe Kruse

Eröffnung:

Die für den 20. März geplante Eröffnung ist abgesagt.

Ab dem 12. 5. wird die Galerie wieder zu den üblichen Zeiten geöffnet sein. Um allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, sich die Ausstellung noch anzusehen, haben wir sie bis zum 4. 7. 20 verlängert.

Bitte beachten Sie auch unsere Corona-bedingten Hygienevorkehrungen.

———

In der Reihe Grenzgängerinnen präsentiert die Galerie Nord Künstlerinnen, die sich über Grenzen und Genres hinwegsetzen und diese erweitern. Die dritte Ausstellung in dieser Reihe ist Käthe Kruse gewidmet, einer herausragenden Künstlerin, die seit den 1980er Jahren, damals noch als Teil des legendären Westberliner Avantgarde-Trios Die Tödliche Doris, mit der Verschränkung von Musik, Texten, Performance, Video und Malerei neue Formate entwickelt hat, die sich nicht in herkömmliche Kategorien einordnen lassen.
Auch heute verbindet Käthe Kruse als Solokünstlerin unterschiedlichste Medien konzeptionell zu einem eigenen künstlerischen Ansatz. In ihrem jüngsten Projekt untersucht sie mit den Mitteln der Malerei, Musik und Performance die Wechselwirkung von Sprache, Politik und medialer Berichterstattung.

Für die beiden Werkkomplexe Ich sehe und 366 Tage sammelte Käthe Kruse über zwei Jahre täglich 25 Überschriften aus jeweils einer deutschsprachigen Tageszeitung wie zum Beispiel Taz, Tagesspiegel oder Süddeutsche Zeitung. Unterschiedslos bediente sie sich aus den Sparten Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Ökologie und Kultur. Bei der Auswahl der Headlines verließ sie sich ganz allein auf ihre künstlerische und politische Sensibilität. Kalendarisch abgespeichert, sammelte sie in dieser Zeitspanne ein Kontingent aus Sätzen und Substantiven – ein subjektives Archiv zur jüngsten Zeitgeschichte in knappster Form –, das keiner festen inhaltlichen Systematik zu folgen scheint, aber in der künstlerischen Transformation ein beunruhigendes gesellschaftliches Bild entwirft.
Auf einzelne Din-A4-Fototafeln übertragen, ordnet Kruse die 366 Tage streng in kalendarischer Abfolge und präsentiert damit nicht nur einen chronologischen Speicher, sondern auch einen Bildkomplex, der in seiner minimalistischen Anordnung irritierende Zusammenhänge über die Bedeutungen von Sprache, Text und Bild aufzeigt.

In einem zweiten Schritt isoliert die Künstlerin alle Substantive aus den Überschriften heraus, die sie Wort für Wort alphabetisch geordnet und in Druckschrift mit dünnem Pinsel auf Leinwände gemalt aneinanderreiht. Es entstehen 80 schwarz-weiße, enzyklopädisch anmutende Textbilder mit insgesamt 3927 Nomina: von Abstiegsangst bis Zuwanderungsrekord. Das Tableau mit dem Anfangsbuchstaben X enthält nur ein einziges Wort: Xenophobie – der Rest ist weißer Bildraum. In der Isolierung und in der monotonen, stakkatohaften, spröden Aneinanderreihung der Sätze und Nomina sowie in der reduzierten räumlichen Inszenierung enttarnt Kruse fast beiläufig die Gefahren der unreflektierten Nutzung von Sprache.
Aber „Käthe Kruse grundiert die beiden Spracharbeiten weder mit moralischem Imperativ, noch mit Empörung; auch strahlen sie keinen Fatalismus, aber auch keinen Optimismus aus. Zunächst registriert das politische Künstlerinnen-Subjekt etwas: ‚Ich sehe.‘“
(aus Hanne Loreck: Ein Alphabet gegen das Ende der Zukunft, Käthe Kruses Werkzyklus Ich sehe, DISTANZ, 2020)

Die beiden miteinander verschränkten Werkgruppen verteilen sich über zwei Ausstellungsorte in Berlin, das macht dieses Projekt zu einem besonderen Ereignis. Unter dem Titel Ich sehe präsentiert Kruse in der Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten die 80 Tableaus in einer Installation zu einem Fries, der sich durch sämtliche Räume zieht. In der Zwinger Galerie wird das Archiv der gesammelten Überschriften unter dem Titel 366 Tage aufgeschlagen.

Ihrem interdisziplinären Ansatz entsprechend, werden beiden Ausstellungen durch eine Reihe von performativen Veranstaltungen ergänzt. Gemeinsam mit Myriam El Haik am Piano und Edda Kruse Rosset am Schlagzeug vertonte Kruse die 80 Worttableaus zu einem Sprechkonzert, das in beiden Galerien zur Aufführung kommen wird. Darüber hinaus wird Käthe Kruse eine mehrtägige Leseperformance in der Galerie Nord durchführen.

Ein wichtiger Teil des Projekts besteht in einer Publikation, die begleitend zu den Ausstellungen bei DISTANZ erscheinen wird. Die Edition besteht aus einer Doppel-LP, aufgenommen im Studio 65 bei Alexander Hacke, 80 Bildtafeln, einer Zeitung mit sämtlichen Überschriften sowie einem Begleitheft mit Installationsansichten der Ausstellungen. Die nummerierte und signierte Vorzugsausgabe enthält ein Tuch aus Modal, mit allen 3927 Wörtern bedruckt.
Die Präsentation der Publikation mit Verleger Matthias Kliefoth (DISTANZ) wird begleitet von einem Künstlerinnengespräch zwischen Prof. Dr. Hanne Loreck (Hochschule für Bildende Kunst Hamburg) und Käthe Kruse.

Veronika Witte, Kuratorin

———

Edition „Ich sehe“: 70 €
Kassette mit 80 Tafeln, Begleitheft, Zeitung und Doppel-LP
64 Seiten, 80 Farb- und 140 Schwarzweiß-Abbildungen, Deutsch/Englisch, 31,5 × 31,5 cm, ISBN 978-3-95476-328-3, veröffentlicht im April 2020

Auch einzeln erhältlich:
Doppel-LP: 40 €
Schal, bedruckt, Modal, Auflage 366: 180 €

Vorzugsausgabe: 480 €
Im DISTANZ-Verlag erscheint die Kassette zusammen mit dem Schal in einer Auflage von 50 Exemplaren als handsignierte Vorzugsausgabe.

Mit freundlicher Unterstützung der bezirklichen Förderfonds der Senatsverwaltung Kultur und Europa
In Kooperation mit dem Bezirksamt Mitte von Berlin, Fachbereich Kunst, Kultur und Geschichte

Die Publikation „Käthe Kruse: Ich sehe“ entsteht mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa

———

Und hier einige Artikel zur Ausstellung aus der Presse:

Tagesspiegel: Wörter mit Wumms
taz: Nazipelz und ein Kilo Kokain
Tip Berlin: Erste Corona-Lockerungen in der Kultur
Ecke Turmstraße: Käthe Kruse – Eine Doppelausstellung

Interviews mit Käthe Kruse bei Art in Berlin und dem Magazin Kaput

Online-Rundgang durch die Ausstellung „Ich sehe“ in der Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten: One Heart Berlin
Online-Rundgang durch die Ausstellung „366 Tage“ in der Zwinger Galerie: Youtube

Begleitende Veranstaltungen: