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Visual Display: Performance Kunst im Kontext

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¡Venceremos!

Lesung:

Do 14. 12. 06, 20 Uhr

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Wenn Klang aufhört

Konzert:

Mi 13. 12. 06, 20 Uhr, Kellerkino

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Fokus Kunst

Führung, Künstler*innengespräch, Lesung, Performance, Vortrag, Workshop:

3. 11. – 2. 12. 06

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M3: Zündverteiler

Performance:

Fr 27. 10. – Sa 28. 10. 06

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Moabiter Kulturtage 2006

Kunstfestival:

Do 24. 8. – So 27. 8. 06

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KulturPartei

Diskussion:

Do 10. 8. und Do 17. 8. 06, jeweils 20 Uhr

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Visual Display: Performance Kunst im Kontext

Gespräch, Performance, Vortrag:

28. 6. – 20. 12. 06

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Veranstaltung:

28. 6. – 20. 12. 06

Jeweils am letzten Mittwoch im Monat stellt der Journalist und Künstler Richard Rabensaat in Zusammenarbeit mit der Galerie Nord die Arbeit eines Performers oder einer Performance Gruppe vor.

Nach einer kurzen Einführung zeigen zumeist Arbeitsmaterialien – wie Fotos, Filme, Dokumentationen – aus welchem Interesse und in was für einem künstlerischen Zusammenhang die jeweiligen Positionen entstehen. Daran an schließt sich eine Diskussion oder ein Gespräch über den Werdegang des Künstlers und die Entwicklung der jeweiligen Standpunktes.

Allen Beteiligten gemeinsam ist ihre Herkunft aus der bildenden Kunst. So findet sich in ihren Performances und Ausstellungen zumeist ein Zusammenklang aus bildnerischer Darstellung, Installation und performativer Aufführung.

 

Mi 28. 6., 20 Uhr, Kinokeller der Galerie Nord
Ellen Kobe: Goya to go

Die Künstlerin hat im vergangenen Herbst in der Galerie Nord ihre bereits mit „Moma goes on“ begonnene Reihe von fiktiven Museumsführungen fortgesetzt. Als die Moma Ausstellung in Berlin gastierte, hat Ellen Kobe dort die ausgestellten Bilder und die Präsentation des Moma erläutert. Nach dem Auszug der Show hat die Künstlerin dann in der ausgeräumten Neuen Nationalgalerie noch einmal vor Publikum die Führung vorgenommen, die sie bereits zuvor weit mehr als hundert Mal vor Museumsbesuchern gemacht hatte. Verblüffend und fasziniert stellten die Teilnehmer nun fest, dass die leeren Wände nicht ’des Kaisers neue Kleider“ zeigten. Vielmehr entstand durch den einfühlsamen und kenntnisreichen Vortrag der Künstlerin vor dem geistigen Auge erneut die bereits abgebaute Ausstellung.

Bei ihrer Performance – ’Goya to go‘ – in den Räumen der Galerie Nord im Rahmen des Performance Festivals “Motion 2 / Drehmoment“ im Herbst vergangenen Jahres führte Ellen Kobe wiederum durch eine nur fiktiv vorhandene Ausstellung. Sie stellte wesentliche Teile der Goya Ausstellung in der Alten Nationalgalerie, die sie wiederum als Führung begleitet hatte, mit den originalen Titelschildern nach. Hierzu entwarf sie noch einmal ein fiktives Panorama des bewegten Lebens und der dramatischen Bilder des Künstlers Goya. Die aus dieser Aktion entstandene DVD-Präsentation der Künstlerin stellt Ellen Kobe am 28. Juni 06 vor und gewährt einen weiteren Einblick in ihre künstlerische Arbeit.

 

Mi 26. 7., 20 Uhr, Kinokeller der Galerie Nord
Steffen Moddrow

Der Performance-Künstler Steffen Moddrow zeigt verschiedene Performance-Sequenzen. Die von Richard Rabensaat moderierte Veranstaltung findet im Kinokeller der Galerie Nord statt und beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

“Das schleichende Pferd“, “Bierdosen im Klosett“, “Mein Kollege King Kong und ich“ oder auch “Klebebandmeditation“ sind die Titel einiger Performances von Steffen Moddrow. Wenn Moddrow einen turbulenten Trommelwirbel mit widerspenstigen Spaghettis inszeniert, wenn er eine knackende Klebeband Konstante zwischen Hemdsärmel und Mikrophon installiert oder das Ping Pong Spiel seiner beiden Handys mit staunenden Blicken begleitet, grüßen Kurt Schwitters und Frank Zappa verschmitzt aus dem Background. Moddrow arrangiert absurde Klänge und Bilder und geht dabei von kurzweiligen Musiksequenzen aus. Sein Material bezieht er direkt aus dem alltäglichen Chaos. Die Seltsamkeit der Situation des Künstlers beim Performen fokussiert er dabei in einer Weise, die sicher auch Beckett erfreut hätte.

Steffen Moddrow arbeitet an einem Performance Konzept, das sich nicht in ein festes Korsett pressen lässt. Seine Aufführungen beginnen häufig mit einer musikalischen Struktur, steigern sich dann aber nicht selten in einer so turbulenten Weise, dass am Schluss nur ein chaotisches Bild aus herumfliegenden- und liegenden Alltagsmaterialien, Musikinstrumenten und nutzlos in der Luft hängen gebliebenen Wort- und Musikfetzen verbleibt. Dabei spielen die Arbeiten Moddrows mit der Nähe zu musikalischen Vorbildern ebenso wie mit der Verwandtschaft zu DADAistischen Performance Traditionen oder Künstlergruppen wie z.B. der „tödlichen Doris“.
Dementsprechend thematisiert “Visual Display“ am 26. Juli gerade auch die jeweiligen Abgrenzungen und Berührungspunkte der verschiedenen Performance-Szenen und Begriffe. Denn mittlerweile umfasst der schillernde Begriff “Performance“ eine kaum klassifizierbare Bandbreite künstlerischer Aktionsformen.

 

Mi 30. 8., 20 Uhr, Kinokeller der Galerie Nord
Artists Anonymous

In statuarischer Haltung verharren eine Katze und ein Hahn vor den Säulen der Ruine einer Tempelanlage. Gitterlinien durchkreuzen das Gesicht der Katze. Dann sitzt sie in ruhiger Pose in einem Zimmer, deren Perspektive sich chaotisch und undefinierbar in den Hintergrund stapelt.
Die Katze beginnt zu sprechen.
Ihr gegenüber sitzt ein Hahn. Auch er beginnt schließlich, im Wechsel mit der Katze, einen Monolog. Die Tiere erzählen Geschichten. Geschichten von Sex und Tod, Geschichten vom Leben.
Es sind Bilder aktueller Performances der Künstlergruppe Artists Anonymous. Sie agieren in selbst konstruierten verschachtelten Anordnungen von Raummodellen, ausgestattet mit Möbeln, geometrischen Attrappen und in Farbumkehrung gemalten Landschaften. Es treten weiterhin auf: ein Clown und eine auf High Heels balancierende Nackte, die Geige spielt.
Der Clown, die geigende Nackte, der Hahn, die Katze, sie alle lassen die realen Figuren verschwinden. Die Darsteller werden zu Metaphern. Sie transportieren eine Realität, die hinter der surreal anmutenden Oberfläche der kodierten Semantik des Films der Performacne eine andere Realität aufscheinen lassen. Die Geschichten der Katze und des Hahns sind in ihrer nüchtern dargebotenen Banalität ungewollt tragisch. Sie erzählen vom Scheitern der Liebe, von der Sehnsucht nach Leben und Geborgenheit. Nicht zuletzt machen sie deutlich, dass der Rezipient der ontologisch konstituierten Realität selten mehr wahrnimmt als den trügerischen Schein des Tatsächlichen.
Kurz: Was steckt dahinter?
Das versucht nicht zuletzt der Moderator in der an die Filmvorführung anschließenden Diskussion zu ergründen.

Visual Display stellt mit den Artists Anonymous eine Berliner Künstlergruppe vor. Beispielhaft lassen sich die Artists nicht auf ein Medium festlegen, sondern agieren zwischen verschiedenen Genres und Materialien. Mit einer surreal anmutenden „Negativ-Ästhetik“ greift die Gruppe immer wieder soziale Themata auf, ohne dabei jedoch pädagogisch zu werden. Nicht sind die Artists Anonymous ein anschauliches Beispiel für die immer wieder aktuelle Fragestellung, ob im Kunstbetrieb überhaupt eine Gruppenbildung möglich ist.

 

Mi 27. 9., 20 Uhr, Kinokeller der Galerie Nord
Römer + Römer: Infinite Justice

Das ebenso vielschichtige wie experimentierfreudige Werk von Römer + Römer hat sich konsequent von Raum greifenden Großinszenierungen über Performances im öffentlichen Raum bis hin zur aktuellen malerischen Untersuchung von Szenen und Situationen im Stadtraum entwickelt, wie sie Anfang des Jahres in ihrer Einzelausstellung “Café Bistro Hauptstadt“ in der Galerie Michael Schultz zu sehen waren.

Als Reaktion auf den 11. September 2001 starteten Römer + Römer ihre Performancereihe “Infinite Justice“. In Burka verkleidet erkundeten sie unterschiedlichste öffentliche Räume von der Liverpool Biennale über Vladivostok zur Kunstmesse Miami.
Das Paradies entdeckten Römer + Römer 2003 an unerwarteter Stelle. In einem Großraumbunker unter dem Alexanderplatz luden sie über 200 Künstler dazu ein, sich Gedanken zu dem schillernden Glücksversprechen der Paradies-Idee zu machen. Die mit mehr als 20.000 Besuchern überaus erfolgreiche Ausstellung bot einen facettenreichen Einblick in Wunschvorstellungen und Hoffnungen, wie sie ein jeder mit dem alttestamentarischen Begriff verbindet.
Mit ihrer „Deutsch-Russischen Knutsch-Performance“ dokumentierte das Künstlerpaar einerseits die gegenseitige Zuneigung und das positive Grundgefühl, das kennzeichnend für die Arbeit von Römer und Römer ist.
Andererseits machten sie in einem öffentlich ausgeschriebenen „Deutsch-Russischen Knutsch-Wettbewerb“ deutlich, dass die vermeintlich simple Geste des Küssens einen ganz beachtlichen Reichtum an Differenzierungsmöglichkeiten birgt.
Mit ihren gegenwärtig entstehenden großformatigen Gemälden reagieren Römer + Römer auf aktuelle zeitgeschichtliche Ereignisse und Stimmungen. Sie erfassen mit Szenen aus dem alltäglichen Leben urbanen Zeitgeist, schildern aber auch die Bedrohung, wie sie sich mit den Bombenattentaten von Madrid und London über die westliche Gesellschaft gelegt hat.

Visual Display zeigt, dass die künstlerische Arbeit von Römer + Römer stets von einem partizipartorischen Impetus getragen war. Die Künstler agieren nicht im Elfenbeinturm, sondern erfassen mit wachem Auge für politische Entwicklungen und gesellschaftliche Umbrüche das großstädtische Leben.

www.roemer.tv

 

Mi 20. 10., 20 Uhr, Kinokeller der Galerie Nord
BBB Johannes Deimling

Seit rund 15 Jahren agiert der Performer BBB Johannes Deimling in immer wieder neuen und überraschenden Inszenierungen und Arrangements. Als präsenter Gast auf zahlreichen internationalen Festivals und Symposien ist sein Name aus der wieder erwachenden Performance-Szene der bildenden Kunst nicht hinweg zu denken.

Unter dem Begriff „Agiertes Bild“ gestaltet BBB Johannes Deimling Szenarien, in denen er gelegentlich wie ein wild gewordener Derwisch agiert, manchmal aber auch in buddhistischer Ruhe verweilt. Er zeigt der Kunstkritik den nackten Hintern, zerlegt das Alphabet oder gemahnt mit einem stillen, kontemplativen Bild aus mehreren arrangierten Körpern an die Schrecken des 11. September 01. BBB Johannes Deimling gelingen Bilder von einer seltenen Eindringlichkeit. Seine Bezugspunkte sind die aktuelle Tagespolitik ebenso wie der alltägliche Überlebenskampf im Beziehungsgeflecht oder schlicht die Probleme des Künstlers außer Luft und Liebe auch noch das zum Überleben notwendige Schnitzel zu bekommen. Aus einfachen Materialien und mit reduziertem gestischen Vokabular gelingt es BBB Johannes Deimling doch, an den verbal nicht formulierbaren Kern der jeweils aufgegriffenen Thematik zu rühren.

Gegenwärtig leitet BBB Johannes Deimling unter dem Label „Portperformance“ in den Städten Tallinn, Gdansk, Havanna und Tel Aviv Workshops, bei dem er das von ihm entwickelte „Tools“-Learning Sheet vermittelt.

 

Mi 29. 11., 20 Uhr, Kinokeller der Galerie Nord
Johan Lorbeer

Als orangefarbenes Arbeiterdenkmal oder mit einem riesigen wasserdichten Gummihandschuh an einem Aquarium hängend, verharrt Johan Lorbeer manchmal schmerzhaft lange als living sculpture an der Wand, im Raum oder unter der Decke.

Das Spektrum der künstlerischen Arbeiten Lorbeers reicht von der Langzeitperformance über die farbige Rauminstallation bis hin zum inszenierten Video. Bekannt geworden jedoch ist der Hochschulprofessor mit der speziell von ihm entwickelten Variante der „lebenden Skulptur “.

In einer Langzeitinszenierung lässt er beispielsweise auf einer Vielzahl von Stöcken, die an seinem Körper angebracht sind, zerbrechliche Porzellanteller schweben. Im orangefarbenen BSR Anzug, ausgestattet mit einem Kehrbesen, wird er zum Sinnbild der modernen Reinigungskraft. Scheinbar schwerelos, ohne Sitzunterlage, auf einem vor ihm schwebenden PC tippend, paraphrasiert er den an seinen Bürostuhl gebundenen Angestellten.

Stets beinhalten die Anordnungen Lorbeers intelligente Fragestellungen nach dem Wandel des sozialen Umfeldes, das er mit seiner Skulptur widerspiegelt. Nicht selten dauern seine Performance mehrere Stunden. Häufig gewinnen sie durch ihre Dauer eine konzentrierte Eindringlichkeit, die der Betrachter beim Anblick der unspektakulär inszenierten Bilder des in ruhiger Pose verharrenden Künstlers zunächst nicht vermuten würde.

Der Betrachter entdeckt, dass sich in sorgsam gestapelten, farbigen Handtüchern ein später Gruß an Mark Rothko verbergen kann. Der „Körperschrank“, in den der Künstler eingeschlossen ist, kann zu einem Sinnbild für die Zwänge der Gesellschaft ebenso wie für ein mechanistisches Körperbild werden, das sinnliche und haptische Komponenten ignoriert.

Mit unaufgeregter Beharrlichkeit hat Lorbeer eine ganz eigene Formsprache entwickelt, die den besonderen Moment aus alltäglichen Abläufen heraus schneidet.

 

Mi 20. 12., 20 Uhr, Kinokeller der Galerie Nord
Nezaket Ekici

Die Spannbreite der Performances von Nezaket Ekici reicht von der minimalistischen Körperinstallation bis hin zur multimedialen Großinszenierung. Kontinuierlich in internationalen Performance-Zusammenhängen präsent, hat die Künstlerin ein breites Darstellungsspektrum entfaltet. In ihren vielschichtigen Anordnungen thematisiert sie häufig ihre kulturelle Identität. Zwischen ihrer türkischen Abstammung und der deutschen Kultur, in der sie aufwuchs, pendelnd, findet Ekici erhellende Bilder für den häufig bereits zum Klischee verkommenen Dialog der Kulturen. Dabei experimentiert die Künstlerin mit einer Vielzahl von Materialien und Gesten, die sie in immer neuen Untersuchungsanordnungen arrangiert.

Während sie bei ihrer Performance „Fackel im Wind“ einen türkischen Marsch singt, erscheint im Hintergrund die Projektion einer Schulklasse, die ebenfalls den Marsch darbietet. Zu den martialischen Klängen übergießt sich Ekici mit Farbe, rot wie die Flagge der Türkei. Ihren ganzen Körper bedeckt die Flüssigkeit, ausgespart bleibt jedoch ein Stück ihrer Haut, das mit Wasser abweisender Farbe bestrichen ist. So schält sich ein eine weiße Mondsichel und ein Stern heraus. Mit drastischer Symbolik thematisiert Ekici hier das Spannungsfeld der politischen Entwicklung der Türkei, die sich zwischen demokratischer Moderne und islamistischen Strömungen vollzieht.

Mit „Fontain“ nahm die Künstlerin ebenso Bezug auf das legendäre Pissoir von Duchamp wie auch auf den Performance-Künstler Bruce Nauman, der sich gleichfalls als kreativ plätschernden Springbrunnen inszenierte.

Als „Ice Princess“ hinterfragte sie das Stereotyp vom Prinzen, von dem sich ‚Aschenputtel’ heute wahrscheinlich kein Schloss, sondern eine Penthousewohnung am Leipziger Platz erhofft.

Ihre Performance „I had a Dream“, bei der sich Ekici über zwei Stunden hinweg durch einen Grasstreifen ‚fraß’, bescherte der Künstlerin auch körperliche Blessuren.

Nie geht es ihr um die bloße Selbstinszenierung. Stets begreift sie ihre Anordnungen als eine Möglichkeit, im Wechselspiel mit dem Betrachter den Kontext zu hinterfragen, den ihre jeweiligen Arrangements aufgreifen.